Pressestimmen


Siren’s Legacy – eine musikalische Begegnung

Ein ruhiger Klavierlauf, ein Chor im Hintergrund. Dann Schlagzeug, treibend, fordernd – sofort ergänzt durch Gitarrenriffs. Das lässt den Fuß zucken, der Kopf nickt im Takt. Schließlich setzt eine klare, melodische weibliche Stimme ein. Im Mittelteil stößt eine kräftige, leicht growlige Männerstimme dazu. Ein eingestreutes Gitarrensolo, unterlegt mit breiten Orchesterklängen. Von Anfang bis Ende dynamische Spannung und der Drang, den Verstärker auf „11“ zu drehen: Die erste Begegnung mit dem Sound von Siren’s Legacy überzeugt auf Anhieb!

Lehnt man sich zurück, schließt die Augen und lässt die Musik auf sich wirken, differenziert sich der Klangeindruck zu einem Bild, das man klar vor sich schweben sieht: Die Bühne steht direkt vor einem, der Boden nicht zu sehen, versunken im Bühnennebel, der sich in dünnen Fäden von der Kante in den dunklen Zuschauerraum ergießt. In der Mitte und von hinten grell angestrahlt, Tobias Hartmann an den Drums. Vor ihm, beide Füße fest auf den im Nebel unsichtbaren Boden gestemmt, mit geschlossenen Augen die Finger auf dem Griffbrett tanzen lassend: Lars Franke mit seinem Bass. Vorne, in der Mitte, gefangen von zwei weißen Spots und von unten mit rotem Licht angestrahlt, steht Sängerin Jennifer Thomé, die Arme ausgebreitet und hämmert den Text in das Mikrofon vor ihr. Zu ihrer Rechten Gitarrist Marius Rabbel, die Gitarre hoch erhoben, die Finger geschickt an den Saiten entlang gleitend… Ja, so sieht es aus, so fühlt es sich an!

Die junge Band aus Neunkirchen hat sich ganz der episch-symphonischen Richtung des Metals verschrieben. Das wird musikalisch konsequent – und vor Allem: virtuos – umgesetzt! Genretypisch verschmelzen kraftvolle Riffs, brachiale Bassläufe und mitreißende Drums mit Violine, stimmungsvollen Chorpassagen, breitem Orchestersound und eingängigen Klavierklängen zu einem breiten, mitreißenden Ganzen. Was da aus den Lautsprechern tönt, erinnert ein wenig an die großen Titel von Epica oder Blind Guardian, ist dabei aber immer eigenständig und lässt einen klaren Stil erkennen. Hörenswert. Und weil Musik live immer viel, viel besser ist: Erlebenswert!

(Jan Reif)